Claudia Roth, deren politische Karriere mit dem Ende der Regierung von Kanzler Olaf Scholz einen jähen Sturz in die fast völlige Bedeutungslosigkeit erleiden mußte, hat sich von Äußerungen distanziert, die ihr als Kritik am Antisemitismus ausgelegt werden könnten. Die als »entwicklungspolitische Sprecherin« der Bundestagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen auffallend unauffällige Parlamentarierin hält heute diese Kritik für »einen totalen Fehler«.
Es ist tatsächlich erst etwas mehr als zwei Jahre her: Bei der ersten Berlinale nach dem von der Hamas und ihren Komplizen ins Werk gesetzten bösartigsten und größten antisemitischen Pogrom seit dem Ende des Zweiten Weltkrieg war das antiisraelische Propagandastück »No other Land« als »bester Dokumentarfilm« für einen Preis nominiert worden. Bei der Preisverleihung, der »Bärengala«, bedankten sich zwei der Verantwortlichen mit Hetze gegen den jüdischen Staat.
Das Publikum, darunter Claudia Roth, die als »Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien« Deutschland bei der Veranstaltung repräsentierte, reagierte begeistert auf die Verleumdungen Israels. Claudia Roth selbst applaudierte. Versuchte Kai Wegener, der ebenfalls anwesende damalige Regierende Bürgermeister Berlins, seinen Beifall mit mangelnden Englischkenntnissen zu verharmlosen, ließ Claudia Roth einen Sprecher später Schadensbegrenzung betreiben.
Da war dann plötzlich die Rede von »erschreckend einseitig[en]« Stellungnahmen und »einem tiefgehenden Israel-Hass«. Es sei »nicht akzeptabel, wenn an einem solchen Abend [..] nicht der bestialische Terrorangriff der Hamas auf über tausend friedlich lebende und auch bei einem Festival feiernde Menschen und deren grausame Ermordung angesprochen« werde »und auch kein Wort« über die zu diesem Zeitpunkt in der Gewalt der Hamas befindlichen Geiseln falle.
Heute bezeichnet Claudia Roth diese Worte als »totalen Fehler« und macht »ein[en] unfassbarer[en] Druck vom Zentralrat [der Juden in Deutschland], von unglaublich vielen Kreisen« für ihn verantwortlich. Sie selbst habe sich von »manche[n] gute[n] Freunde[n] im Ausland« fragen lassen müssen, wann sie sich »endlich von dieser Schuld der Geschichte« befreie. Nun, ein erster Schritt ist wohl gemacht, wenn Claudia Roth sich öffentlich zum Opfer von Juden erklärt.