Im Juni verpflichtete sich die libanesische Regierung, durch eine »nachprüfbare Entwaffnung nichtstaatlicher bewaffneter Gruppen sowie die Zerstörung der dazugehörigen Infrastruktur« die Voraussetzungen dafür zu schaffen, daß die in der Folge von Raketenangriffen der Hisbollah auf den jüdischen Staat im Süden des Zedernstaates eingesetzten Einheiten der israelischen Streitkräfte wieder abgezogen werden können.
Das von der amerikanischen Regierung vermittelte Abkommen zwischen Beirut und Jerusalem, das im Prinzip die Resolution 1701 des Sicherheitsrats der Vereinten Nationen bekräftigte, könnte den Grundstein legen für eine vollständige Wiedererlangung der staatlichen Souveränität des Libanon, sollte Beirut es freilich ähnlich zurückhaltend umsetzen wie den zwei Jahrzehnte alten Beschluß des UNSC, ist weiterer Unfrieden vorprogrammiert.
Nachdem die libanesische Armee kürzlich eine Sprengstofflieferung der Hisbollah abfangen konnte, sollte in Beirut eigentlich nicht lange nachgedacht werden müssen, was mit den beschlagnahmten 500 Kilogramm TNT und C4 geschehen und welche Folgen der »Zwischenfall« von Dahr Al-Baidar für die vom Regime in Teheran gelenkte »Partei Gottes« haben sollte. Dennoch hält sich Beirut bedeckt und verweist auf »Ermittlungen«.
Spätestens seit dem August 2020 könnte jeder Libanese wissen, welche Gefahren von den Aktivitäten der Marionetten Teherans selbst in »Friedenszeiten« ausgehen. Damals explodierte ein Waffenlager der islamistischen Terrororganisation im Hafen der libanesischen Hauptstadt, die über 200 Menschen nicht und Tausende verletzt überlebten, Hunderttausende Menschen verloren ihre Wohnungen. Noch immer zeugen Ruinen von der Detonation.
Trotzdem scheut Beirut offenbar nach wie vor die Konfrontation mit der Hisbollah. Auch die libanesische Armee scheint nicht immer so zu reagieren wie in Dahr Al-Baidar, wie von den israelischen Streitkräften veröffentlichte Aufnahmen zeigen sollen. Statt einen mit Waffen beladenen Transporter sicherzustellen, ließ die libanesische Armee ihn ungehindert passieren – eine israelische Rakete sorgte dann dafür, die Ladung zu »entschärfen«.
Weckt oder nährt Beirut so immer wieder neue Zweifel an der Zuverlässigkeit seiner Zusagen, verwundert es kaum, verbleiben die israelischen Streitkräfte weiterhin auf libanesischem Territorium, müssen sie dort verharren. Will der Libanon ein unabhängiger Staat sein, muß er dafür sorgen, daß seine Besetzung durch die Lakaien Teherans und der Mißbrauch seines Territoriums durch sie für Angriffe auf Israel enden. Beides ist überfällig.
