Bei rekordverdächtig hoher Beteiligung haben am Dienstag die Wahlberechtigten in Israel über die Zusammensetzung ihres neuen Parlaments abgestimmt, die 26. Knesset. Während ungefähr 80 Prozent der Stimmen ausgezählt sind, ist es kein Wagnis mehr, der bisherigen Regierungskoalition einige Verluste zu bescheinigen. Zwar wurde Premier Benjamin Netanjahus Likud erneut stärkste Partei, ihre Mandatsmehrheit aber hat seine Koalition verloren.
Zweistärkste Partei wurde die vor einem Jahr von Gadi Eisenkot ins Leben gerufene Partei Yashar, um die herum sich die (nichtarabische) Opposition organisiert hat. Auch die Partei des pensionierten Generals, der von Oktober 2023 bis Juni 2024 dem israelischen Kriegskabinett als Minister ohne Geschäftsbereich angehörte, und die sie unterstützenden politischen Kräfte verfehlen die parlamentarische Mehrheit von 61 Mandaten recht deutlich.
Mit nach derzeitigem Stand 17 Abgeordneten werden die sogenannten »arabischen« Parteien in der neuen Knesset vertreten sein, etwas mehr als 14 Prozent der Mandate. Sofern sich die beiden selbsterklärten Wahlsieger Gadi Eisenkot und Benjamin Netanjahu nicht auf die Bildung einer »Einheitsregierung« verständigen können, dürften die Parlamentarier der Joint List und der United Arab List (Ra’am) in den nächsten Tagen gefragte Gesprächspartner sein.
Verfügten die »arabischen« Parteien in der 25. Knesset über 10 Sitze, haben sie im neuen Parlament deutlich mehr Gewicht. Von ihren Abgeordneten könnte abhängen, ob der nächste israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu heißen wird oder Gadi Eisenkot. Und unabhängig davon, wer tatsächlich der nächste israelische Regierungschef wird, ist das schon jetzt beachtlich: Wer immer behauptet, Israel sei ein »Apartheidstaat«, wird diese 17 Parlamentarier erklären müssen.
